Dienstag, 21. Januar 2014

ZWEI WEISSE SÜDFRANZOSEN - Eine Roussanne aus Saint Joseph und ein Viognier vom Ventoux

Blick von Gigondas auf das Rhone Tal © wiesengenuss

Der weiße Monat Januar, Schneeweiß in der Vorstellung. Klar und hell, die Sonne wird wieder stärker. Die dunkelsten Tage des Jahres sind vorbei. In diesem Jahr zeigt sich der Januar von der frühlingshafen Seite, ungewöhnlich mild. Vor meinem Fenster blüht eine Japanische Ziermandel, ein Verwandter der hiesigen Mandelbäumchen, die in der Pfalz normalerweise erst Ende März blühen.
Nach den fetten Weihnachtstagen ist im Januar wieder die leichtere Küche angesagt und der Wein wird wieder Weiß. Zumindest bei uns - Zeit für zwei weiße Südfranzosen.
Der eine, die Roussanne, kommt von der Mittleren Rhône, Appellation 'Saint. Joseph' und 'Crozes Hermitage', der andere, der Viognier, kommt von der Südrhône, Appellation 'Côtes du Ventoux'. Beide stammen von kleinen, noch unbekannten Weingütern - von "Artisans", die naturnah arbeiten und Wert auf Handarbeit legen: Von der Ernte über die strenge Auslese aller gesunder Beeren bis hin zur 'batonnage sur lie'. Nur das allerbeste und gesündeste Traubengut geht in die Gärung. Edelstahl- und auch ein wenig Holzausbau (fût de chêne). Weine jenseits des Mainstreams.



Saint-Joseph blanc "Sous l´amandier" 2011


Christophe Curtat, 
Frankreich, Rhône, St. Joseph, AOC
Roussanne

13, 5 Vol %

Beim ersten Verkosten wussten wir noch nicht viel über diesen Wein. Die Lage: Mittlere Rhône, Saint Joseph, eine große Appellation rings um Tournon, auf der gegenüberliegenden Seite der Rhône der Granitklotz des Hermitage bei Tain. Tain l'Hermitage und Tournon sind die Partnerstädte meiner alten Heimat Fellbach im Remstal und die Gegend war mir somit bekannt. Doch der Winzer? Unbekannt. Das Netz spuckt nichts aus über ihn, es gibt keine Homepage, keine Expertisen. Gut! Also völlig unvoreingenommen ran an den Wein.
Und dann kam der Knaller!! Ja, anders kann ich es nicht ausdrücken. Das ist das beste, was wir jemals aus Roussanne getrunken haben!!!
Ein großer Weißwein (für etwa 20 Euro). Die weißen Hermitage können einpacken dagegen, zumindest bei den Preisen, die die haben, da unten.. war unser spontaner Gedanke. Spontan auch meine Notizen: "Wow! Würzig, dicht. Erster Gedanke: Pfirsich mit Gewürzen. Pfirsichmark und Muskatblüte, weißer Pfeffer. Schöne Säure (verflixt wie beschreibt man die nochmal..) und angenehm trocken. Nelken, Lorbeer? Nein, Weihnachtsgewürz und trotzdem viel viel Frucht. Alles perfekt! Dicht und ausbalanciert. Muskeln und Eleganz. Im Nachhall kommen Orangenschalen zum Vorschein. Wirkt rein und frisch, trotz der Gewürznoten vom Holzfaß". Alles da: Mineralität, Frucht, Struktur, Eleganz und Länge. Ach ja, ich vergaß: im Glas kräftig strohgelb. Lagerfähig bis zu 6 Jahre.

Auf unsere Bitte hin, schrieb uns Christophe Curtat nun doch noch ein paar Worte zu seinen Weinen. Er hat zwei: Den Saint Joseph blanc "Sous l'amandier" (90% Roussanne, 10% Marsanne) und den Saint Joseph rouge "Nomade" (100% Syrah). Angefangen hat er 2005 mit einem Hektar. Heute bewirtschaftet er 6 Hektar in den Appellationen Saint Joseph und Crozes Hermitage. Die etwa 12 bis 50 Jahre alten Reben stehen auf Granitböden an Südosthängen. Zwei Drittel davon Syrah, ein Drittel Roussanne (90%) und Marsanne (10%). Seine Weine kultviert er in der Mehrzahl seiner Parzellen "proche du bio", wie er sich ausdrückt, das heißt er wendet keine Herbizide an, nur Stoffe, die ausdrücklich unter "Agriculture biologique" zertifiziert sind. (Ich erinnere ich mich da gerade an die teilweise bis aufs nackte Gestein todgespritzten Böden in Südfrankreich).
Sein Ziel ist: "respecter le terroir sans le dénaturer", repektvoller Umgang mit dem Terroir, um Weine von großer Mineralität zu erzeugen. Der Ertrag liegt bei 40 hl/Hektar. Gelesen wird von Hand, die Vinifikation "plus naturellement possible". Die Weißweine kommen in gekühlte Tanks, der Ausbau in Eichenholzfässern (fût de chêne). Elf Monate mit "batonnages reguliers". (Der önologischen Begriff "batonnage" ist hier ganz gut erklärt Fachzeitschrift Wein+Markt).

Mandelblüte Pfalz © wiesengenuss


Ich wurde neulich gefragt, ob "Sous l'amandier" eine Einzellage ist? Leider nein, übersetzt heißt es einfach "Unter dem Mandelbaum", denn blühende Mandelbäumchen stehen überall in den Parzellen von Christophe Curtat. Vielleicht blühen sie auch schon in diesem ungewöhnlich milden Winter, wie hier bei mir vor dem Fenster.







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Viognier Cuvée des Grandes Pointes 2012 

Domaine du Tix, Frankreich, Rhône, VDP
Viognier
13,5 Vol % 

Und nun weiter nach Süden, an den heiligen Berg der Kelten, dem Mont Ventoux, der Kahle Berg. Die Todesstrecke bei der Tour de France. Weithin sichtbar überragt der helle Fels das südliche Rhônetal. Ein magischer Berg! Und vom Fuß dieses Berges kommt dieser Wein. Genauer gesagt, von seinen südlichen Ausläufern. Aus Mormoiron mitten in den Côtes du Ventoux. 200 km südlich (!) der weltbekannten Lagen wie Condrieu oder Château Grillet. Die Nachbarorte Gigondas und Chateauneuf du Pape sind ebenfalls weltberühmt. Doch mehr für ihre roten Cuvées und dem Syrah. Ein Weißwein, ein Viognier aus dem Süden? Ich erinnere mich an ein paar "Viogniers" aus dem Urlaub an der Ardèche. Kräutrig, trocken, alkoholisch und teilweise schon oxidativ. Keine Frucht und kaum Haltbarkeit.
Nicht so dieser, er stammt von einem Nordhang, aus etwa 350 m Höhe. Er wächst in kleinen Parzellen mit Blick auf den Mont Ventoux. Die Morgennebel sorgen für Feuchtigkeit und der sturmzerzauste Kahle Berg für frische kühle Winde. Auch der Mistral weht ab und zu bis in dieses Tal. Die Trauben werden immer wieder abgetrocknet und fallen so nicht so leicht der Fäulnis und anderen Krankheiten anheim.

Das Winzerpaar Philippe Danel und Marie Pirsch haben sich mit dem Kleinod Domaine du Tix den Traum vom eigenen Weingut erfüllt. Auf 8 Hektar erzeugen sie hier in aufwändiger Handarbeit und strikter Qualitätskontrolle Weine von großer Qualität. Geringe Erntemenge von etwa 27 Hektoliter/Hektar beim Viognier. Beim Syrah 30 hl/ha. Die Böden sind Kalk-Ton, der undurchlässige Ton sorgt für eine gute Wasserkapazität. Der Kalk ist besonders präsent in den Viognier Lagen. Ihre Weine können locker mit den bekannten Gewächsen dieser Regionen mithalten - sie kosten jedoch nur einen Bruchteil davon (ähem.. elf neunzig!). Der Viognier gilt ja eigentlich als Zicke. Schwierige Rebsorte. Strikte Auslese nur der allergesundesten Beeren ist notwendig. Und dann ab in sauberste Edelstahltanks, um jegliche Oxidation zu vermeiden.
Der Cuvée des Grandes Pointes stammt vonn alten Reben. Drei Lesedurchgänge werden gemacht:
  • Der Erste kurz vor der perfekten Reife für die Frische, er wird im Edelstahl ausgebaut.
  • Der Zweite zum perfekten Reifezeitpunkt für die Frucht (auch Edelstahl) und
  • der Dritte leicht überreif für den Ausbau im Barrique. 
Aus diesen drei Partien wird dann die Cuvée gemacht.  Im Glas leuchtet der Wein strohgelb. Das Bouquet intensiv. Fruchtaromen Pfirsich, reifer Apfel und Blüten. Zarte Vanille, cremig weich. Gut eingebundene Säure. Leichtes Prickeln am Gaumen. "Vanillecreme mit Pfirsich" war mein Gedanke. Aber, auf keinen Fall fett, der Wein. Leicht nicht schwer, elegant und fein. Ein bisschen kommen noch Würznoten durch vom Holzfassausbau. Langer langer Nachhall. Ein schöner Wein. Er strahlt Ruhe und Weichheit aus, hatte ich mir notiert. Lagerfähigkeit bis zu vier Jahre.




Die Weine wurden uns freundlicherweise von Oliver Schmid von viDeli in Stuttgart zur Verfügung gestellt. 


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