Dienstag, 17. Dezember 2013

QUINTA de COVELA - von Vinho Verde bis Douro


 

Weihnachten steht vor der Tür oder "Wein achten", wie es in der Weinszene so schön heißt. Weihnachtsweine, Weihnachtswinzer. Winzer des Jahres. Weingut des Jahres. Sommelier, Sommelière des Jahres (Gibt's die eigentlich auch?). Es kommt mir so vor, also ob nach dem 31.12. (egal welchen Jahres) immer der Weltuntergang ist, also schnell noch eine Bestenliste...
Bestenliste? Kann ich nicht. Jeder Wein, der handwerklich gut gemacht ist, von dem ich die Geschichte kenne und die Menschen dahinter ist ein guter Wein. Manche gut, manche besser. Manche sind fast wie ein Kunstwerk und erzählen Geschichten. Geschichten von der Landschaft, in der sie wachsen. Schmeckbare, fühlbare.

Hmm, welche Weine blieben mir in der letzten Zeit besonders in Erinnerung? Da gab es viele: Knackige Rieslinge aus der Pfalz und Rheinhessen im Frühjahr, Weiße Sommerweine von der Ardèche, der Rosé von Daniel Aßmuth...der Txakolina aus dem Baskenland, Albariño aus Galizien, Alvarinho aus Portugal. Salzige Weine von den Vulkanen auf Lanzarote.
Südfrankreich, die Kanaren, Spanien, Portugal. Zunächst war ich auf der Suche nach Weinen, die zu unserer Küche passen. Eine leichte Küche, kräuterlastig, mit Fisch, weißem Fleisch, Tomaten, Gemüse und Pasta. Thai Küche oder mediterran mit wilden und feinen Kräutern. Dazu Wilde und Feine Weine. Wein & Küche. Foodpairing war das Thema. Und über diesen Weg habe ich schließlich ein (für mich) neues Weinland entdeckt: PORTUGAL. Eine Weinlandschaft voller neuer Sinneseindrücke. [...]


Angefangen hat es damit, dass es in Portugal Weine gibt, die zu vielen Speisen passen, zu einem ganzen Menü. Zu jedem beliebigen Anlass oder Gericht findet sich in diesem Weinland (mit seinen unendlich vielen Rebsorten) der richtige Wein. Vom Salat über Suppe, zu Pasta, Kartoffeln, Gemüse bis hin zum Rindersugo oder sogar fetten Fisch- (Bacalhau) und Fleischgerichten (Spanferkel! Ja, das geht auch ohne Bier, mit einem trockenen roten Espumante aus der Region Bairrada, siehe unser Bericht zu Portugals Weine - Still a Secret Spot?).


© Quinta de Covela

Quinta de Covela


Hoch über dem rechten Ufer des Douro Tal liegt die Quinta de Covela inmitten gewundener Terrassen, die eine Art natürliches Amphitheater bilden. Ein geschichtsträchtiger Ort. Seit 500 Jahren liegt sie da an der Grenze zwischen den beiden Dörfern Sao Tomé de Covelas und Santa Cruz de Douro - und genau an der Grenze zweier großer Weinbauregionen Portugals, dem Vinho Verde und dem Douro. Zur Quinta gehören etwa 50 Hektar Land, davon sind 18 Hektar mit Wein bestockt. Kalte Winter und heiße trockene Sommer prägen das Klima an der Grenze zwischen den maritimen Einflüssen der Vinho Verde Region und dem kontinentalen Klima der Douro Region. Der Douro wirkt ausgleichend und sorgt für ein gefühlt mediterranes Klima. Eine saftig grüne Region, doch an vielen Stellen tritt das Granitgestein zutage, das die Reben dazu zwingt, sich tief in den Boden einzugraben. Die Weine zeigen dadurch eine ausgeprägte Mineralität.

v.l.n.r. Goncalo Sousa Lopes,
Rui Cunha, Tony Smith
Das Herrenhaus mit seiner noch erhaltenen Renaissance Fassade stammt aus dem 16. Jahrhundert. Einer der wichtigsten europäischen Regisseure der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Manoel de Oliveira, war Besitzer des Anwesens. Ende der 1980er Jahre wurde die Quinta de Covela von dem Geschäftsmann Nuno Araújo erworben. Die Rebflächen wurden erweitert, die Marke Covela entstand. Er holte in den 1990er Jahren den Önologen Rui Walter Cunha auf das Weingut - mit Erfolg, denn Covela wurde zu einem der besten Weingütern Portugals und gelangte zu internationalem Ruf. Seit 2007 ist die Quinta de Covela als biodynamischer Erzeuger zertifiziert. Nach einer Pause von drei Jahren wurde sie 2011 vom britischen Journalisten (Condé Nast) Tony Smith und seinem brasilianischen Partner, dem Geschäftsmann Marcelo Lima erworben. Das Team um den Önologen Rui Cunha (Winemaker) und Gonçalo Sousa Lopes (Viticulturist) wurde glücklicherweise wieder ins Boot geholt. Rui Cunha berät als Önologe 16 Weingüter in so unterschiedlichen Weinregionen wie Douro, Tras-os-Montes, Minho und Alentejo, bekannt ist beispielsweise auch das Aphros Projekt von Vasco Croft, mit genialen biodynamischen Weinen. 

Es lohnt sich wirklich, die toll gemachte Homepage der Quinta de Covela mit ihren vielen Fotos und Videos anzuschauen. Wunderschöne Bilder und ein herrlicher Platz, um dort mal Ferien zu machen.

Winemaking


Alle Trauben der Quinta de Covela stammen aus kontrolliert ökologisch bewirtschafteten Rebflächen und wachsen auf Granitböden. Die Trauben werden von Hand geerntet "plot-by-plot", um das beste Lesegut zum optimalen Zeitpunkt auszuwählen. In kleinen Kisten werden die Trauben transportiert und vorsichtig abgepresst. Einige ausgewählte Margen der weißen Weine (branco) haben eine kurze Maischestandzeit, vergoren wird im temperaturkontrollierten Stahltank mit Filtration durch Kieselgur. Die Roten (tinto) haben lange Maischestandzeiten bei moderaten Temperaturen. Spontangärung, keine Enzyme, keine Stabilisatoren und keine Filtration. Bei den Weinen der Colheita Selecionada Linie findet die Gärung und Reifung in Fässern aus französischer Eiche statt.

COVELA Edição Nacional Branco 2012 - Vinho Verde DOC


Geprägt durch die Rebsorte Avesso, eine vielseitige Rebsorte der Sub-Region Baiao plus einen kleinen Anteil der körperreicheren Rebsorte Arinto.  Der erste Eindruck: würzig, Kräuter und ein wenig weißer Pfeffer. Im Duft zunächst verhalten, wenig Frucht. Farbe: strohgelb mit platinfarbenen Reflexen. Öffnet sich im Glas, Noten von Limettenzesten, feine Kräuterwürze, schöne Säure und eine feine Schärfe am Gaumen. Mineralik. Karg und klar. Von den 13% Alkohol ist nichts zu spüren, so frisch ist er. Kein Schmusewein, eher die härtere Nummer. Kombination mit Essen: Ein perfekter Speisebegleiter zu leicht gegrilltem Fisch und Meeresfrüchten. Wir  haben ihn mit Garnelen mit Limetten und Petersilie kombiniert.

COVELA Escolha Branco 2012 - Vinho Regional Minho


Rebsorten Avesso und Chardonnay. Ein wenig Viognier und Gewürztraminer. Klar und Strohfarben, zunächst verhalten im Duft, Kräuterwürzig. Im Mund entfalten sich Muskatellernoten, feiner Rosenduft, ein Hauch Vanille und weiße Blüten. Floral mit einem Hauch Litschi. Am Gaumen mehr Schmelz, dichter als der Vinho Verde. 14% Alkohol auch hier nicht zu spüren. Braucht Luft, um seine ganze Komplexität zu entfalten. Nicht zu kühl trinken. Kombination mit Essen: Ebenfalls ein wunderbarer Essensbegleiter zu Fisch und Meeresfrüchten, auch zu weißem Fleisch, Hähnchen, Pasta, Sahnesaucen. Wir haben ihnmit Tagliatelle und in Knoblauch gerösteten Weißbrotwürfeln, Basilikum und einer Sauce aus Créme fraîche kombiniert.

Covela Escolha tinto 2005 - Vinho Regional Minho


Ein Cuvée im Douro-Stil. Mit der klassischen autochthonen Rebsorte Touriga nacional und den beiden internationalen Sorten Cabernet Franc und Merlot. Ausbau im Stahltank. Spontangärung. Keine Filtration. Von violetter bis fast schwarzer Farbe. Sauerkirsche im Vordergrund, erdig mit einer Nuance Waldbeeren, Brombeeren im Nachhall. Brombeerblätter, Kräuter und Minze (Menthol). Schmeckt jung, keine Reifetöne, sehr präsente Frucht. Dicht, aber nicht schwer oder hart. Der Wein ist acht Jahre alt (!) und wirkt noch außerordentlich frisch mit einer eleganten Länge und feiner Säure. Auch hier 13,5 % nicht zu spüren. Vollständig durchgegoren, niedriger pH Wert. Alles an diesem Wein ist im Einklang. Kombination mit Essen: Ein Wein, der zu dunklem Fleisch, Steaks, Braten und Grillgerichten passt, aber auch zu Gerichten mit Tomatensauce. Wir haben ihn mit einem Rindersugo und Pasta kombiniert.

Covela Colheita Selecionada tinto 2004 - Vinho Regional Minho


Wieder Touriga nacional, aber hier eine Cépage mit Cabernet Sauvignon und Merlot. Obwohl nur ein Jahr älter präsentiert sich dieser Wein ganz anders als der Escolha tinto. Reifer, runder, weicher. Rubinrot. Er wurde spontan vergoren in Fässern aus französischer Eiche, lange Maischestandzeit, unfiltriert! Die Trauben wachsen auf den heißesten Lagen mit dem Blick zum Douro. Intensiver Duft nach reifen roten Früchten, schwarze Johannisbeere und Paprika, Gewürze, schwarzer Pfeffer, Menthol. Knochentrocken mit gut eingebundenen Tanninen. Ganz feine Vanillenoten. Gut ausbalancierte Säure. Nicht zu warm trinken, eher bei 17 - 18° Raumtemperatur. Kombination mit Essen: Eigentlich ein klassischer Wein zu Fleischgerichten, Steak, Braten und Wild. Seine Reife und Sanftheit wollten wir jedoch nicht mit einem schweren Braten kombinieren und wählten stattdessen: Hähnchen mit Mangold und gerösteten Pinienkernen als Speise dazu.


Bezugsquellen: Die Weine sind zu beziehen bei Stendels Handels GmbH in Dortmund. Soweit ich weiß, der einzige deutsche Importeur dieser Weine.


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Hier noch Links zum Blog des Amerikaners Tim Lemke Creating Vinho Verde at Quinta de Covela und zu Nico Medenbach im Drunkenmonday Blog Zwischen zwei Welten - Quinta de Covela.

Bildmaterial © Quinta de Covela. Pressematerial mit freundlicher Erlaubnis der Stendels GmbH zur Verfügung gestellt


1 Kommentar:

  1. Ein in der Tat interessantes Weingut, das ich vor kurzem besucht habe. Einen ersten Eindruck gibt es hier: http://schiller-wine.blogspot.de/2013/11/a-douro-valley-tour-from-porto-upstream.html Ein separates Posting ueber unseren Aufenthalt in der Quinta de Covela wird in den naechsten Tagen auf schiller-wine erscheinen.

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