Freitag, 29. November 2013

Weinrallye #69 WEIN und LYRIK - Elisabetta Foradoris Ampeleia


DREI WORTE - Magische Worte wie ein Haiku, ein Dreizeiler.

FORADORI
AMPELEIA
KEPOS

© wiesengenuss

AMPELEIA, KEPOS, rosso 2010
 
Rebsorten: Grenache, Mourvèdre, Marselan, Carignan, Alicante
Reifung: 9 Monate Holzfass, 5 Monate Flaschenreife
Weingut: Ampeleia (Elisabetta Foradori) - Maremma in der Toskana
Alkohol: 13,5 %

Über die Trentiner Winzerin Elisabetta FORADORI hatte ich schon vor einiger Zeit in einem Sonderheft von Vinaturell etwas gelesen. Amphoren. Biodynamie. Teroldego. Eigenwillig. Stichworte, die mich dazu bewogen mir nun endlich den Ampeleia Wein aus der Maremma zu bestellen. Er ist kein Teroldego, sondern ein Cuvée aus den mediterranen Rebsorten Grenache, Carignan, Mourvèdre, Alicante, und Marselan. Eine südfranzösische Cépage in der Maremma?

Und was bedeutet AMPELEIA? Ich fragte meinen Sohn, was er sich unter diesem Wort vorstellen könnte. Fruchtigkeit, meinte er. Schööön. Mir kam so etwas wie Ampelografie in den Sinn, nach Ampelos, Rebstock. Doch dieses Wort AMPELEIA klingt einfach schön. Es schwingt. Auf italienisch bedeutet es tatsächlich "Im Klang". Meinklang, Einklang, fällt mir dazu ein. Alte mediterrane Rebsorten im Einklang. Und KEPOS? Das Wort hat etwas erdiges, bodenständiges. Ein griechisches Wort, es bedeutet Garten.

Ein Weinfreund fragte mich, wie er mir schmeckt? Mir kam spontan nur ein Lied - oder Wort - in den Sinn "Melloncollie" (Smashing Pumpkins). Ich schmecke eine schöne sanfte Würze. Elegant ist nicht das richtige Wort, Geschmeidig schon eher. "Fließend wie Seide" habe ich gelesen. Weiche, seidene Tannine. Feine Sauerkirsche, mediterrane Kräuter, Zimt, Weihnachtsgewürze, Tabakblätter. Verführerisch und Melancholisch.

Dieser Wein hat etwas lyrisches. Aber nicht episch. Er erzählt nicht viel. Er erzeugt eine Stimmung. Eine Stimmung, bei der mir ein HAIKU aus meiner Jugendzeit eingefallen ist.

Der Sperling
hüpft die Veranda entlang
seine Füße sind naß

Welche Stimmung? Ja, hmm, ein Sperling? Ein Spatz. Veranda, nass....Regen?
Tiefer hinein in den Haiku. Was steht zwischen den Zeilen? Wir befinden uns in Japan. Haiku und ZEN. Die Reduktion auf das Wesentliche. Eine schwarze Holzveranda in einem Japanischen Teegarten stelle ich mir vor. In Kyoto. Im Garten grüne Blattpflanzen, weiße Blüten und Bambus. Von den Blättern des Bambus tröpfelt der Regen. Kein kalter Regen, sonst würde der Sperling nicht hüpfen - es nieselt wohl eher. Der Geruch des Gartens. Die nasse Erde. Lauschen. Der sanfte Wind. Das feine Rauschen des Regens... eine sanfte Melancholie entsteht.

Maremma, Toskana, Italien © Rachel Wirth

Das AMPELEIA Projekt


"Man muss mitfühlen, mitdenken, den Wein verstehen, auch aus dem Bauch heraus arbeiten" so Trentiner Elisabetta Foradori. Trotz ihrer großen Erfolge mit ihrem legendären Teroldego 'Granato' wollte sie noch etwas Neues machen, eine Veränderung. Es gab eine Zeit, in der sie sich nicht mehr in ihren Weinen wiederfand. Ihnen fehlte es nach ihrer Einschätzung an Transparenz, Lebendigkeit und Präsenz. Sie suchte nach einer neuen Herausforderung. So begann sie mit dem Ausbau ihrer Weine in Amphoren. Eine Weinbereitung, bei der besonders viel Intuition und Erfahrung gefragt ist. Und gründete zusammen mit zwei Freunden, Unternehmer aus Südtirol, ein Weingut in der Toskana - genauer gesagt, der Maremma. Im Gambero Rosso bekam er bereits drei Gläser mit den Worten "stilistisch eher auf Eleganz als auf Opulenz" ausgebaut. Parker gab ihm 92 Punkte. Tino Seiwert schreibt: "Einer der spektakulärsten Weinwerte Italiens!" Ein "Latin Lover!". Na, das muss ja dann eine Granate sein, dieser Wein - nach diesen Auszeichnungen. Doch das ist er nicht. Er ist einfach und schön, ausgestattet mit einer sanften Tiefe.

Die Idee für das Ampeleia Projekt ist in einer grandiosen Naturlandschaft entstanden, im Winter auf einer Skihütte in den Südtiroler Bergen. Mitten in den Bergen unter einem klaren Sternenhimmel. Drei Freunde philosophierten darüber wie wohl ihr gemeinsames Idealbild eines Rotweinen aussehen sollte: "Geschmeidig und elegant, bei aller Kraft fein und fließend wie Seide, dabei harmonisch, facettenreich und von komplexer Frucht geprägt".

Das ist ihnen gelungen! Bei diesem Wein. Die drei Freunde waren die Südtiroler Unternehmer und Weinliebhaber Thomas Widmann und Giovanni Podini - und Elisabetta Foradori.
In der Maremma nördlich von Grossetto fanden sie im Landesinneren 2002 nach langer Suche endlich einen magischen Platz in den Hügeln. Das Weingut wurde "Ampeleia" genannt (griech. "ampelos", was Rebstock bedeutet). Ein kleines bäuerliches "Podere". In einem wilden Teil der Toskana, die Landschaft eher rauh. Das Weingut ein altes bäuerliches Landgut traditioneller Weinbauern und Viehzüchter. In Sichtweite Mittelalterliche Dörfer, aus Stein gebaut, umrundet von Mauern. Bäuerliche Festungen, eng an die Hügel geklebt. Viel Wald und Macchia. Mediterrane Steineichen-, Esskastanien- und Flaumbuchenwäler. Kleine Olivenhaine, dazwischen Weinberge. Das Meer in Sichtweite. Vom Tourismus ist diese Landschaft immer noch nahezu unberührt.

Ein historischer Handelsplatz, eine Region, in der sich viele mediterrane Kulturen trafen, aus der Toskana, Sardinien, Südfrankreich und Griechenland. Genau diese Einflüsse sollten sich im Ampelaia Wein wieder finden, und das erklärt auch die Rebsorten: Grenache, Carignan, Mourvèdre, Alicante Bouschet und Marsélan. Rebsorten mit zum Teil alter mediterraner Tradition, die schon von den Römern kultiviert wurden. Sieben verschiedene dieser Rebsorten auf sechs verschiedenen Bodenarten. Das ist AMPELEIA. In kleinen gemischten Weingärten - den KEPOS. Weit verstreuten Parzellen auf verschiedenen Höhenstufen. Jede Rebsorte dort, wo sie ihrer Natur nach am besten gedeiht.

Magische Sieben. Magische Drei. Und die Reduktion auf das Wesentliche - oder weniger ist mehr.

"Elisabetta Foradori legt großen Wert darauf, dass der Wein von Ampeleia das Produkt des ganzen Teams ist – das Gruppenfoto oben geht auf ihre Anregung zurück. Sie selbst, der trotz seiner jungen Jahre knorrige „Direttore“ des Weinguts, Günther Ambach, und der ebenfalls noch junge Marco Tait: Sie alle sind geradlinige, unkomplizierte Menschen, die genau wissen, wovon sie reden, die meinen, was sie sagen und die tun, was sie im Sinn des Projekts für richtig halten. 
In dieses Bild passt, dass alles hier auf Ampeleia auf das Wesentliche beschränkt, nein: konzentriert ist. Beim Besuch auf dem Weingut kommt einem das bekannte „Weniger ist mehr“ aus Lessings Emilia Galotti unweigerlich in den Sinn. Auch im Gespräch mit Elisabetta fällt auf, dass sie gerne das Wort „essenziell“ verwendet – in Bezug auf die Menschen, die Landschaft, die Dörfer, die Kultur, die Reben. 

Im Licht dieser Philosophie wurde der Ampeleia tatsächlich ein essenzieller Wein, und aus einer im Schnee der Alpen geborenen Idee wurde eine heftige Umarmung des mediterranen Lebens." schreibt Alexander Hecht.


Quellen: Smart Wines, KU-Weinhalle und Pinard de Picard



Dieser Beitrag entstand im Zusammenhang mit der Weinrallye #69, Veranstalter Dr. Marc Herold auf www.weinkaiser.de






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen