Mittwoch, 27. November 2013

PORTUGALS WEINE - Still a Secret Spot?


© wiesengenuss
Wein aus Portugal? Immer noch voller Rätsel für mich. Gedankensplitter tauchen auf: Autochthone Rebsorten, Indigenous. Gemischter Satz, Kleine Parzellen, Secret Spots. Nordhänge. Granit, Schiefer, Sand, Staub - Poeira. Atlantisches Klima vs. Kontinentales Klima. Estremadura. Schwarze Schweine, Korkeichen. Wilde Weine. Die Bilder der großartigen Landschaft des Douro Tals. Die Atlantikküste. Porto. Das weiße Lissabon....
Ja, ich möchte dieses Land, die Menschen und ihre Weine näher kennen lernen...

Normalerweise ist es schwierig für mich, über ein Land und seine Weine zu schreiben, in dem ich noch nicht war... Ach doch, ich war ja schon mal da, auch wenn es viele Jahre her ist. Mitte der achziger Jahre, nach dem Abi, mit dem VW Bus. Die ganze Iberische Halbinsel haben wir umrundet. In Portugal am Strand gecampt. Ich erinnere mich noch als wir morgens mitten auf einem Fischermarkt aufgewacht sind. Auweia. Nachts hatten wir diesen Strandabschnitt für einen einsamen gehalten - morgens waren dann die Marktstände rings um uns aufgebaut. Aber die Fischer fanden das lustig und wir auch. Zum Frühstück: frisch gefangener Fisch, Kaffee und Gauloises ohne Filter. Und ich erinnere mich auch noch an das Douro Tal, das wir von einem Stausee südlich von Zamora in Spanien auf dem Weg nach Porto durchquerten. Eine Holperstraße, Pflastersteine. Kopfschmerzen. Aber diese großartige Landschaft, gigantische Weinberge! Extrem. Fast wie im Wallis. [...]



© wiesengenuss
Und nun neue Bilder. Bilder von der Wines of Portugal Messe in München. Von den Winzern, den Winemakern, den Menschen hinter dem Wein. Und vor allem eben den portugiesischen Weinen - die Vielfalt der Rebsorten, neue Aromenbilder. Weine aus dem Gemischten Satz und kleinen versteckten Terroirs. An einem Tag kaum zu bewältigen. Nur erste Eindrücke. Schwingungen. Da tut sich was auf. Eine neue Welt! Die doch eine alte ist - mit einer großen Weintradition.
WOP Experience 2013
Diese, unsere ersten Eindrücke aus München, hat mein Kollege und Genussfreund Harald Scholl in seinem Blog"Tellerschubser"  bereits hervorragend verarbeitet.


Nicht für jedermann. Nur für echte Weinliebhaber?


"Diese Welt erschließt sich jedoch immer noch nur einigen wenigen. Denn die Beschäftigung mit portugiesischem Wein erfordert einen ähnlichen Zeitaufwand, wie die Beschäftigung mit den Weinen aus dem Burgund. Und eventuell wird man auch niemals schlau daraus." schreibt Sigi Hiss auf Captain Cork in seiner 3-teiligen Serie "Plädoyer für Portugal".


Zunächst ein paar Fakten


Portugal, das kleine Land am Südwestzipfel der Iberischen Halbinsel mit seiner reichen Geschichte, verfügt über eine Rebfläche von 241.000 Hektar. Davon sind 224.000 Hektar in Bepflanzung. Der Rest sind noch ungenutzte Flächen. Biologisch erzeugter Wein wird nur auf 3000 Hektar angepflanzt. Noch herrscht unter den Weinbauern die Meinung, dass unter dem atlantisch feuchten Klima diese Anbauweise zu gefährlich sei. Doch es gibt auch mutige Winzer, Vordenker, die "mit Wille, Mut, sehr vielen Arbeitskräften und einigen Schrecken" biologisch oder sogar biodynamisch arbeiten. Darunter die bekannten Winemaker Vasco Croft mit seinen Aphros Wines und der Önologe Rui Walter Cunha, von dem das Zitat stammt. Rui, der in Porto auf eine deutsche Schule ging, spricht ausgezeichnet Deutsch und ist deshalb gerade meine wichtigste portugiesische Informationsquelle. Er berät mehrere Weingüter und erzeugt auch selbst erfolgreich mit seinem Partner Gonçalo Sousa Lopes eingenwillige Weine unter dem Namen Secret Spot Wines auf der Quinta da Faisca im Norden des Dourotals.

© WinesofPortugal


Indigenous Grape Varieties - oder Autochthon!


Über 250 autochthone (nur in Portugal heimische) Rebsorten gibt es, heißt es offiziell. Portugiesische Weinmacher erzählten mir jedoch, dass es weit über 300 sind und immer mehr dazu kommen. Manche sprechen von 5000 Sorten, diese Zahl gilt jedoch als übertrieben. Damit hat Portugal Italien überholt. Sie werden in kleinen, teilweise aufgegebenen Weingärten gefunden, im traditionellen Gemischten Satz, an Hecken entlang der Weinberge und in Bäumen, an denen sie von den Bauern hochgezogen wurden.
Fremde Rebsorten wie Alicante Bouschet, Chardonnay oder Cabernet-Sauvignon gibt es nur zu etwa 3%, die meisten davon in der Region Alentejo im Süden Portugals. Mit den Spaniern teilen sich die Portugiesen die Tempranillo Rebe, die in Portugal Aragonéz (oder Aragonês im Alentejo) genannt wird. Im Douro und in der Dão Region wird er als Tinta Roriz bezeichnet. Sowie Alvarinho, in Spanien Albariño und Jaen in Spanien Mencia.
Wer glaubt, dass Portugal ausschließlich eine Region für rote Ports oder tanninreiche Rotweine ist, dem seit gesagt, dass das Verhältnis Weiß/Rot mit fast 48/52% ausgeglichen ist.

Eine ausführliche Beschreibung der Rebsorten finden Sie hier:
Rebsorten - Wines of Portugal.

In Portugal gibt es keine Terroir Klassifizierung, keine Crus und keine Klassifizierungen nach Mostgewicht. Auch in den DOPs (Denominação de Origem Protegida, vor 2012 noch DOC genannt) gibt es keine Abstufungen. Insgesamt gibt es gibt 29 beziehungsweise 31 Appellationen (Douro/Port und Madeira/Madeirense sind Doppelappellation). Aus den IGPs (Indicação Geográfica Protegida, früher VR = Vinho Regional) können ebenso Spitzenweine kommen, wie aus den DOPs. Die Regionen Vinho Verde und Douro pochen jedoch auf ihren DOP (oder DOC) Status. Die Region LISBOA (früher Estremadura) ist das Großgebiet mit den meisten Appellationen.

Übrigens, der größte Importeur portugiesischer Weine ist Angola! Das liegt nicht nur daran, dass Angola eine portugiesische Kolonie war, sondern auch am Öl- und Diamanten-Geldadel in der Hauptstadt Luanda. Aber der größte Anteil einfacher Roter Weine geht nach Paris. Ja. Denn Paris ist zwischenzeitlich eine der größten "portugiesischen" Städte außerhalb Portugals geworden.


Secret Spots - Gemischter Satz und kleine Terroirs


Portugal ist bestimmt von Sand und Granit, dazu noch Schiefer, Kalkstein, Lehm und Basalt. Stichwort: Terroirvielfalt! Von Hektar zu Hektar auf kleinen Flächen können viele verschiedene Böden vorkommen. Im trockenheißen kontinentalen Klima des Douro-Tals zerfällt das Gestein zu Staub. Poeira heißt Staub. Im feuchteren Atlantischen Klima an der Küste bilden sich Lehm und Schlamm. Die bekanntesten Regionen mit atlantischem und mild maritimen Klima sind Vinho Verde, Bairrada und Lisboa, die Region rund um Lissabon hieß bis vor kurzem noch Estremadura. Ihre Böden sind von Sand geprägt. Mediterranes Klima mit trockenen subtropischen Sommern im Süden in der Region Alentejo. Im südöstlichen Alentejo gibt es in einigen Teilen der Region Beja auch Gebiete mit Steppenklima.

VINHO VERDE, im Nordwesten des Landes, üppig grün mit zerklüfeten Bergspitzen, Tälern und Seen, bekannt für seine frischen, kräutrig leichten Cuvées oder Cépages aus heimischen, autochthonen Sorten. Die wichtigsten sind Alvarinho, Loureiro, Arinto, Avesso und Trajadura. Und, was viele nicht wissen, es gibt auch roten Vinho Verde. Wie der Weißwein ist er leicht und frisch und wird gerne in den traditionellen Restaurants gekühlt getrunken. Im Sommer, perfekt zu gegrillten Sardinen. Die Unterregionen Monção und Melgaço am Rio Minho an der Grenze zum spanischen Galizien sind für ihren Alvarinho bekannt. In Spanien Albariño genannt. Südlich davon in den Unterregionen Lima, Cávado und Ave geht der Trend gerade zu rebsortenreinen Weinen aus Loureiro. Das Klima in der Küstenregion Minho und Douro ist atlantisch, sehr feucht und wechselhaft. Das Marãogebirge teilt beide Regionen und ist für die große Klimaverschiedenheit verantwortlich. Regenreich, mild und mit Niederschlägen bis zu 2000 Liter pro Quadratmeter (!) im Norden (vergleichbar vielleicht mit Vancouver Island oder Norwegen, nur dass Portugal der Regen wärmer ist ;-)). Der frische "grüne" Vinho Verde passt gut zu Fisch, Meeresfrüchten, Gemüse, mediterranen leichten Kräutergerichten und Asiatischem Essen.

DOURO/PORTO, nicht nur Portweine kommen von hier, sondern immer neue Rote und auch Weiße Spitzenweine. Eine landschaftlich atemberaubende Region mit trockenen steilen Hängen hoch über dem Dourotal. Hänge mit einem Gefälle von bis zu 60%. Weltkulturerbe und andererseits auch Region, in der im Sommer fast keine Niederschläge fallen und dadurch den Granitboden zu Staub werden lässt. (Portugal und die Weine aus dem Staub). Hier muss der Wein wirklich kämpfen! Die Reben wurzeln tief, sehr tief, um an die Grundwasservorräte zu kommen und nehmen dabei viele Mineralien auf. Einer der Pioniere und Vorreiter, die die Region über die Grenzen der eingeschworenen Weinkenner hinaus bekannt gemacht haben, sind die Douro-Boys mit Dirk van Nieepoort.

Eine ausführliche Beschreibung der Weinregionen finden Sie hier:
Weinregionen - Wines of Portugal.


Das Rätsel löst sich - im Wein


Und nun zum Wein. Einer Auswahl an portugiesischen Weinen, von David Schwarzwälder beim Train-the-Trainers Seminar der Wines of Portugal Akademie zusammengestellt wurden.

WEISS - BRANCO

2012 Dom Diogo Arinto Vinho Verde
Quinta da Raza
Region: DOC Vinho Verde

Helle Farbe, frisch, klar, zarter Blütenduft und minimal CO2. Sehr süffig zum trinken. Guter Einstiegswein! Aus der heimischen Arinto auch Pederna genannt. Ihr Vorteil ist, dass sie spät reift und auch in heißen Sommern ihre Säure bewahrt. Vom Säurespiel ähnlich dem Riesling. Von einem der wichtigsten Erzeuger im Land. Er kommt aus der Unterregion Lima im Herzen der Vinho Verde Region. Ein ausgezeichneter Wein zum Essen von Fisch oder Meeresfrüchten, weißem Fleisch, Pasta und Risotto. Serviertemperatur 8 bis 10 º C.


2012 Sottal de Leve
Companhia Agricola do Sanguinal
Region: Lisboa

Weiße Blüten, ein weißer Wein - frisch, atlantisch. Ganz leicht mit nur 7% Alkohol. Fast schon ein Frühstückswein. Zu 50% aus Moscat sowie Arinto und Vital. Auf Sandböden in der Region Lisboa gewachsen. Maritimer Einfluß. Feine Salzigkeit. Wenig Alkohol, nur 9%. Leicht und beschwingt. Diesen Wein habe ich mit einem leichten asiatischen Fischgericht kombiniert mit wenigen, reduzierten Zutaten. Sottal - ein weißer Portugiese zu Fisch 


2012 Quinta do Pinto Vinhas do Lasso branco
Quinta do Pinto
Region: Lisboa

Ein frischer Cuvée aus Sauvignon Blanc und Viognier, dazu Arinto und Fernão Pires. Letztgenannte gehört zu den meistangebauten weißen Rebsorten. Ein würziger Wein, der mineralisches Kribbeln auf der Zunge erzeugt. Auch hier mit maritimen Einfluß. Über 19 portugiesische und internationale Rebsorten werden vom Weingutsbesitzer António Cardoso Pinto und Weinmacher Tiago Carvalho für die verschiedenen Rebsortenweine und Cuvées verwendet. Kellermeisterin ist eine junge Dame. Die Böden der Weinberge im Herzen der Weinregion Lisboa werden von Kalk und Kreide dominiert. Ein hervorragender Essensbegleiter zu Seeteufel und kräftige Fischgerichte. Harmoniert mit jungen Erbsen, aber auch mit bitteren Gemüsen wie Chicorée und Wasabi. Bei Käse ganz klar zu Manchego!


2011 Aphros Loureiro
Aphros Wine
Region: DOC Vinho Verde

Ein Biodynamischer Wein aus Portugal? Interessant. Rebsorte: Loureiro. Eher stahlig, würzig, mineralisch. 12% Alkohol. Bemerkenswert! Dieser Wein ist eine eigene Geschichte wert. Rui Cunha erzählte mir dazu: "Der Wein ins 100% Bio und es wird versucht auch auf 100% Biodynamisch zu arbeiten. Bio wird zertifiziert, das dynamische nicht. Es ist sehr schwer im Minho, so wohl als auch im Elsass, Biodyn zu arbeiten, aber mit Wille, Mut, sehr vielen Arbeitskräften und einigen Schrecken kann man es schaffen. Die Frage wird oft gestellt, das zeigt aber leider nur, dass die Kenntnisse von diesen Verfahren sich noch in der Steinzeit befinden…Das Aphros Projekt wird sehr erfolgreich von Vasco Croft geleitet. Der verantwortliche Oenologe, Pedro Bravo, ist ein sehr guter Freund. Ich bin als Berater beauftragt, um Vasco für die Strategie des Gesamtprojektes zu helfen. Spannend ist auch der Vinhão, der weisse Ten und der neue weisse Aether.."

2011 Siria Beira Interior Branco
Quinta dos Currais
Region: Beira Interior

Abgefahrenes Zeugs! Von ungewöhnlicher Farbe: dicht, goldgelb. Citrusnoten in die Bergamotte Richtung gehend. Delikat, frisch und ein Hauch exotisch. Steiniges Obst, Quitte. Sesamwürze hinten, leicht pfeffrig. Riecht nach Rauch obwohl kein Holz daran beteiligt ist. Rebsorte Siria. Die ausgefallendste der weißen Sorten - und Currais ist einer der Stars, die Siria produzieren. Früher wurde sie traditionell in Tonamphoren ausgebaut. Mit ihrer dicken Haut eignet sie sich für das rauhe Hochlandklima im Beira Interior mit sandigen Granitböden. Sie wächst auf Granitmoränen in 780 m Höhe auf den Hängen der zerklüfteten Gebirge. Spontan vergoren mit eigenen Hefen. Der Wein kostet übrigens nur unglaubliche 6 Euro. Noch...


SCHAUMWEIN - ESPUMANTE

2007 Espumante Bruto Natural Tinto
Quintas das Bageiras
Region: Beira Atlantico / Bairrada

Bruto!! Brutal. Der Espumante ist der Hammer. Aus der roten Baga Traube, dessen Heimat die Region ist und aus der roter Bairrada Wein zu mindestens 85% bestehen muss. Pur. Furztrocken (5-6 g Restzucker). Krass, durch das CO2 werden die Tannine noch betont. Der Wein vor der Pause, bevor es zu den Rotweinen geht. Absoluter Wachmacher, weil so etwas haben wir noch nie getrunken. Das gibts nur in Portugal. Traditionell wird er zum Spanferkel (portugies. Leitão) getrunken. Das passt. Wir haben ihn zu den Datteln im Speckmantel probiert. Fett hilft. Der Espumante gleicht aus. Der Grund für diesen Wein: Bei der Spanferkelrallye stimmt er den Magen milde. 

ROTWEINE - TINTO

2011 Adega de Pegoes Trincadeira tinto
Adega de Pegoes (Cooperativa Agricola de Sto. Isidro de Pegoes , CRL)
Region: Setúbal

Rebsorte Trincadeira. Sie steckt enorme Hitze weg und gehört zu den portugiesischen Spezialitäten. Eher rotbeerig, farbintensiv, mit dem Duft nach Brombeeren, Kräutern und Gewürzen. Sie reift spät und braucht viel Sonne, um ganz auszureifen. Der Wein stammt aus einer Kooperative. Weinmacher Jaime Quendera gehört zu den Winemakern der neuen Generation. Als Assistent hat er bei João Portugal Ramos in der Adega gelernt. Ramos gehört zu den G7, den 7 besten Weinmachern in Portugal. Früher hieß die Gegend Terra Dusado, heute Provincia de Setúbal. Eine reiche Gegend, Spielcasinos, Geldadel hat sich hier angesiedelt. Das Klima ist maritim, die Landschaft flach und sandig. Sandböden, Sediment und Kalkschichten.


2009 Aragonés de Peceguinea tinto
Heredade de Malhadinha Nova
Region: Alentejo

Ein Wein von guter Struktur, rote Früchte, mit auffallenden Tanninen, harzig und Wild. Wie die Landschaft, in der er wächst. Rebsorte: Aragonez (im Douro Tinta Roriz und in Spanien Tempranillo genannt). Er wird in Kelterbecken aus Marmor (!) ausgebaut, den es in der Region gibt. Größtes Edelmarmorvorkommen nach Italien. Das Klima ist ein echtes mediterranes Klima, keine Küste, keine Meeresbrise. Inland. Wenig besiedelt, viel Landschaft, Unesco Kulturerbe, Schwarze Schweine und Korkeichen. Aus dem Alentejo kommt ein Drittel der weltweiten Korkeichenproduktion (neben dem Magreb und Italien). Eine wunderschöne Gegend für Genussreisende, die gerne in den Sternhimmel schauen. Schöne kleine Landhotels mit wundervollen Weinen. Die Dörfer schalten sogar absichtlich um 11.00 Uhr das Licht ab, damit der Himmel ganz zu sehen ist. Eine schöne Vorstellung, mit diesem Wein unter dem Sternenhimmel zu liegen inmitten einer weiten Graslandschaft mit wenigen Bäumen...


2009 Quintas das Bageiras Reserva
Quintas das Bageiras
Region: Bairrada

Auch hier wieder die Rebsorte: Baga. Und wieder die Quintas das Bageiras, wie beim Espumante. Die Baga-Traube ist in der Tat eine der schrägsten Sorten Portugals, der Welt. Im Stil wie Nebbiolo aus den 60ern. Jung schmeckt sie wie Nebbiolo, alt wie Pinot Noir, meint David Schwarzwälder. Im klassischen Bairrada Stil einer der aufregendsten Weine Portugals. Komplex, intensive Frucht von Brombeere, blaue Blumen (whatever that is..) markante Säure sowie feste Tannine. Tannin und Säure lassen ihn im Mund relativ leicht schmecken. Ein Hauch von Teer wird ihm nachgesagt, habe ich aber nicht geschmeckt. Verbranntes Zedernholz, Rauch, Tabakblätter, Leder, ja. Wow! Im Beton ausgebaut. In Betonbecken - also in den klassischen Lagares. Mit Füßen getreten, sozusagen. Und dann ab ins Kastanienholz. Mit Eiche, also amerikanischer, nicht zu vergleichen. Kastanie ist viel härter und gibt nicht diese ollen Vanille-Kokos Aromen ab. Dazu noch ungetoasted, großes Holzfass, eben klassisch. Die Bairrada Weine haben Struktur und großes Lagerungspotenzial. Mario Sergio Alves Nuno übernahm die Quinta das Bageiras im Jahr 1989 von seinem Vater. Zusammen mit seinem Önologen Rui Alves keltert er aus der roten Traditionssorte Baga Weine in verschiedenen Gewichtsklassen. Kultfiguren, habe ich mir sagen lassen. Ganz ganz ungewöhnlich, aber auch erztraditionalistisch. Schön! Der einzige (?) Baga Produzent - außer Louis Pato.


2008 Munda Touriga Nacional
Quinta do Mondego
Region: Dão

Weinmacher: Fontes da Cunha - C.E.P. SA. There we go. Touriga Nacional. Die Rebsorte, die zur nationalen portugiesischen Rebsorte erkoren werden sollte. Aber, wozu? Die Vielfalt macht's! Und doch ist sie die berühmteste Rotweinsorte Portugals. Zu recht. Aber, auf nur 10.000 Hektar, also eher noch immer nicht besonders verbreitet. Sie braucht Hitze, hat Muskeln und eine Saftigkeit. Verbreitet einen Hauch von Bergamotte, Veilchen und hat eine Tinte Note. Ungewöhnliche Kombination für einen auf Cab Sauv, Pinot Noir oder Syrah eingeschworenen Weintrinker. Neue Welten tun sich auf. Aromenwelten. Der Wein ist seeeehr lang, würzig, dicht und hat ganz ganz eigene Kräuternoten. Im Vergleich zu den "Traditionalisten-Bagas" ist er, wie man so schön sagt, modern ausgebaut.


2011 Quinta de S. José tinto Reserva
Quinta de S. José
Region: Douro

Die Quinta de S. José liegt auf der linken Seite des Flusses Douro zwischen Pinhão und Tua (Cima Corgo). Weinmacher João Brito e Cunha. Rebsorten Touriga Nacional und Touriga Franca aus alten Weingärten. Ausbau: 12 Monate in Fässern aus französischer Eiche. Fruchtig, komplex und mineralisch. Elegant und ausbalanciert mit einem langen Nachhall. Eher traditioneller Ausbau. Die extrem hitzegeduldige Touriga Franca verleiht dem Wein intensive rote Frucht mit floralen Noten im Bukett, an Brombeeren erinnernd. Sie enthält mehr Säure als andere rote Rebsorten und ist eine der fünf empfohlenen Rebsorten für Portweinn und damit eine der häufigsten am Douro. Alkohol 14,5%.


2010/11 M.O.B. tinto
Moreira, Olazabal, Borges
Region: Dão

"Dão steht für Granit", habe ich gelesen, soll heißen, dass in dieser Region vorwiegend Granitgestein vorkommt. Tiefdunkel in der Farbe, ein Cuvée aus den Rebsorten Touriga Nacional, Jaen, Alfrocheiro und Baga. Trotzdem Frische in Duft und Geschmack, ein Wein, wie kein anderer Rotwein der Welt riecht und schmeckt! Außer den oben genannten Weinmachern Jorge Moreira, Francisco Olazabal und Jorge Borges ist auch eine Frau mit von der Partie: Sandra Tavares. Die schönste Weinmacherin Portugals, so heißt es. Der Ausbau findet in den traditionellen Lagares statt. Das sind Becken aus Granit oder Edelstahl, in denen die Trauben mit den Füssen zertreten und dabei besonders schonend extrahiert werden. "Das M.O.B. Projekt steht für dunkelwürzige Rotweine spannend intensiver Gerbstoffpräsenz, die sich in faszinierend kühler, seidiger Qualität ungewöhnlich dicht präsentieren, auf charakteristische Weise durchzogen von an blaue, dunkle Früchte und Wildbeeren erinnernder Frucht und Würze. Ein spannendes Projekt, das die vielversprechende Zukunft portugiesischer Rotweine eindrucksvoll demonstriert." (Quelle: KU-Weinhalle). 


2009 Pintas, Blend
Wine & Soul, LDA
Region: Douro

Gehört gewissermaßen auch mit zum M.O.B. Projekt. Pintas ist ein relativ neues Projekt der oben genannten Sandra Tavares und ihrem Mann, Jorge Serôdio Borges im Douro-Tal. Borges war Winemaker bei Dirk van der Niepoort, während Sandra Tavares auf der Quinta do Vale D. Maria im Douro sowie auf dem elterlichen Weingut Weine anbaut. Im Herzen des Pinhão Tales haben sie sich einen über 81 Jahre alten Weinberg gekauft. Beste Lage. Nordhang! 17 Rebsorten bauen sie an. Hauptrebsorten in diesem Blend sind Rufete, dazu Tinta Roriz, Touriga nacional. Vinifizierung in Lagares (Granitbecken), sozusagen mit Füßen getreten. 70/30 neue und gebrauchte Barriques. Pintas bedeutet übersetzt Flecken in Anlehnung an die Flecken, die der tiefdunkle Traubenmost während der Verarbeitung überall hinterläßt. "Lebendiges, dunkles Rot. In der Nase reife, intensive Frucht, elegante Holznoten. Am Gaumen sehr dicht und herrlich kompakt, mit gut gestaffelter Säure und einladenden Lakritztönen, sehr dichter, fruchtsüßer, extraktreicher Wein mit komplexer Frucht, kraftvoll mit ungeheurer Konzentration, reifen Kräuteraromen und Wildfrüchten bei ausgewogenen und spürbaren Tanninen. Ein großer, konzentrierter Wein mit unendlich langem Finale. Ein Hochgenuß! Großes Potential, mittlerweile zum Kultwein am Douro aufgestiegen!" (Quelle: K&M Gutsweine)


2008 Mouchão tinto
Heredade de Mouchão
Region: Alentéjo

Vinho Regional de Alentetejano. Rebsorten: Alicante Bouchet oder Garnacchia Tintorella, die schwarze Grenache. Also eine mediterrane Rebsorte, die ursprünglich nicht aus Portugal stammt. Gezüchtet wurde sie Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Franzosen Henri Bouschet aus Grenache und Petit Bouschet. Der Muchão ist das Flagschiff des Weinguts. Ein kleiner Prozentsatz der eleganten Trincadeira ist noch im Wein, Vinifiziert in den traditionellen Lagares. Offene Kelterbecken, uralte Gebinde. Das Weingut liegt im Zentrum des Alentejo. Er erinnert an kandierte rote und schwarze Früchte ist tiefdunkelrot, würzig und er hat eine kräftige Säure! Immerhin stammt er aus einer der heißesten Punkte Europas. Nicht breit, marmeladig, vielleicht liegt es daran, dass er im Kastanienholz ausgebaut wurde. Ein viel härteres Holz als die Eiche. Feste Struktur, kleine Poren und kein Toasting. Das gibt dem Wein die Tiefe. 24 Monate Lagerung in Großen Fässern und nochmal 24 bis 26 Monate auf der Flasche. In 'air-conditioned cellars'. Alkoholgehalt 14%
Übrigens sucht die Heredade noch einen Importeur...


Was für Weine! Für mich ist damit Portugal als ganz eigenständiges Weinland mit abgefahrenen Rebsorten (und fast unaussprechnlichen Namen) nun total bewiesen. Blends oder Cuvées mit Geschmacksnoten, die man/frau noch nie vorher geschmeckt hat. Aus grandiosen Terroirs, kleinen versteckten Weingärten, Nordhängen, Steilhängen aus Granit und Schiefer. Und eben die handwerklich sehr gut gemachten "mit Füßen getretenen" Weine. Naturnaher Anbau? Dort von der Landschaft, dem Terroir und Klima vorgegeben - und man braucht es nicht auf die Etiketten zu schreiben.

Es lohnt sich, die Webseiten der hier vorgestellten Weingüter anzuschauen! Da bekommt man richtig Lust zu reisen. So ein schönes Land. Der nächste Urlaub dort, ganz bestimmt.


Zum Abschluß noch ein Zitat von Hendrik Thoma, Master Sommelier, Wein an Limit.
"Portugal hat das Image des einst mittelmäßigen Weinproduzenten längst hinter sich gelassen. Heute kommen anerkanntermaßen einige der besten Weine der Welt aus den Weingärten Lusitaniens. Die wichtigsten Aspekte dabei bleiben die vielen autochthonen Rebsorten und die traditionelle Weinbereitung. Portugal wehrt sich standhaft gegen die Internationalisierung oder geschmackliche Gleichschaltung und kann sich auf eine lange Tradition berufen. Deswegen gibt es in diesem Land auf engstem Raum noch viel zu entdecken".


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Unser Dank geht an David Schwarzwälder für die vorgestellten Weine, an Rui Cunha für seine Weine aus den "Secret Spots", die uns auf der Wines-of-Portugal Messe auf die Spur gebracht haben sowie für seine Mühe, den Text nochmal Korrektur zu lesen.
Und natürlich auch an Dorit Schmitt, Organize Communications und Wines of Portugal, für das zur Verfügung gestellte Material.





Alle Texte und Fotos ©wiesengenuss, außer wenn anders angegeben.

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