Donnerstag, 7. November 2013

OJAI! OPOK - oder Weine, die fast unbeschreiblich sind

Foto: Ute Mangold, wiesengenuss
Wunderbare Weine habe ich  in der letzten Zeit verkosten dürfen. Im Hinterkopf das Thema "Kräuter und Wein.." begab ich mich auf die Suche nach Weinen mit Kräuteraromen, Mineralik, Tiefe, wild und sanft. Vor allem weiße Weine! Weine, die zu Kräutergerichten passen, zu Gemüse, zur Mediterranen Küche und Thai-Food.

Und ich bin mehr als fündig geworden. Und eigentlich, ich gebe es zu, kam ich immer weiter weg von der Suche nach Weinen, die zum Essen passen. Viele waren so animierend, dass wir sie schon vor dem Essen weggetrunken verkostet haben oder zum Kochen dazu. Oder auch nur als Solisten sahen, denen wir ihre ganz eigene Zeit widmeten, auch über mehrere Tage hinweg. Steinige Rieslinge aus der Pfalz, würzige Weißburgunder, Spanische Weißweine mit Kräuteraromen, salzige Weine aus Lanzarote und dann noch die einzigartigen Weine von autochthonen, seltenen und wilden Rebsorten aus Portugal. Weisse Rebsorten wie Albarino und Alvarinho, Verdejo, Encruzado und Vinho Verde - und "wilde" Sauvignon Blancs aus Österreich und Californien. [...]

Zwei dieser Weine stehen nun vor mir. Mit diesen möchte ich anfangen: Mit dem OJAI von Helen and Adam Tolmach, der 1982 mit Jim Clendenen die Garagewinery 'Au Bon Climat' im Santa Barbara County in California gegründet hat und mit dem OPOK von Sepp und Maria Muster aus der Südsteiermark, Österreich. Beide Weine sind Sauvignon Blancs, aus ganz unterschiedlichen Weltgegenden. Beide einzigartig und doch haben sie etwas gemeinsam: sie lösen Bilder, Assoziationen, Musik und Ruhe in mir aus, berührten mich.

Nun sitze ich vor den Flaschen und meinen Notizen, ich sehe die Etiketten - und es fallen mir keine Worte dazu ein. Klar, ich habe mir zu allen verkosteten Weinen Expertisen aus dem Netz geholt, diese aber erst nach meinem ersten Eindruck und meinen Notizen gelesen. In manchen Expertisen fand ich meinen Eindruck wieder, in anderen nicht. Überhaupt nicht. Viele Seiten Papier, viele Worte, Weinsprache...abstrakt. Ein Versuch, die komplexe Wahrnehmung von der Nase ins Gehirn und dann wieder ins Sprachzentrum zu führen. Das Gefühl, das Gesamterlebnis Wein in einfache wenige Worte zu fassen. Mathematisch. Analytisch. Das Aromenrad ist eine Hilfe, definitiv, aber manchmal auch nur eine Krücke.

Tja, irgendwas sträubt sich in mir seit Tagen, Wochen, über eben diese beiden Weine einfach nur einen sachlichen Text zu verfassen, mit Daten, Fakten, Aromenkram (dies können die mir bekannten Weinjournalisten und Blogger viiiel besser). Ich sehe Bilder vor mir, denke an die Geschichten der Weinmacherinnen und Weinmacher hinter den Weinen. Sehe die Landschaften vor mir, aus denen die Weine kommen - und höre: MUSIK.

Quelle: wikipedia
OJAI - Sauvignon Blanc "Mc Ginley Vineyard" 2010


Ich spüre den Pazifik, sehe den Nebel, der vom Pazifik ins Santa Inez Valley über die Küstenberge wie eine Welle hereinströmt. Rieche die Californische Halbwüste, Kräuter, die Orangenbäume - im OJAI!
Ein Sauvignon Blanc aus Kalifornien? Ich hatte etwas breites, fettes, einen "Cassis"Wein erwartet. Doch das hier war anders. Einfach ganz anders. Aus dem kühlsten Jahrgang seit Jahrzehnten, 2010, haben Helen und Adam Tolmach im biologischen Anbau einen komplexen Sauvignon voller Kräuteraromen gezaubert. Helen ist für die Weinbereitung zuständig. Mit nur 12,5% Alkohol ist er saftig weich mit lebendiger Säure - und ich rieche Orangenblüten! Langanhaltend. Sehr bewegend. In der Nase zunächst etwas buttrig, milchig, ein Eindruck, der schnell verfliegt als die zarten Orangennoten, Blüte, Schale, erscheinen. "Es ist nicht der kühle Nebel, der sich nachmittags über das Tal legt, sondern die Morgensonne, die auf die Orangenhaine scheint", habe ich mir notiert.

Helen und Adam Tolmachs Ojai Vineyard liegt bei Oak View zwischen Los Angeles und Santa Barbara nur 10 Meilen vom Pazifik entfernt. Der Wein stammt aus dem Santa Inez Valley.
Die Musik dazu, die mir in den Sinn kam, ist von den Doobie Brothers Ukiah. "All around this sacred Land...". Auch, wenn Ukiah ganz im Norden von California liegt bei Mendocino, so transportiert dieser Song doch das Lebensgefühl der Winzer, die ich im Santa Inez Valley kennen gelernt habe.

Zum Nachlesen und mit Bildern, dieser Artikel hier von den Wineterroirs 


Foto: Ute Mangold, wiesengenuss
vom OPOK Sauvignon Blanc 2009 Weingut Sepp und Maria Muster


In Californien war ich schon mal, in der Südsteiermark war ich noch nicht. Leider. Zunächst hatte ich keine Landschaftsbilder vor den Augen. Der OPOK war mir noch fremd, habe zwar schon gehört von ihm, viel gutes - und deshalb danke ich Martin Kössler von der KU Weinhalle ganz besonders dafür, dass er den Ojai und den Opok meiner letzten Bestellung beigelegt hat.

"Selten hat mich ein Wein so tief berührt" so meine handschriftliche Notiz nach drei Tagen Verkostung dieses Weins, glasweise, immer wieder die Veränderungen aufnehmend. Nachdem ich ihn zum ersten Mal im Glas hatte, habe ich erst mal keine Worte gefunden, was rieche ich da? Wiesenduft oder/und Exotische Früchte, welche? Sie sind grün, aber nun wie weiter, da ist noch mehr... Einen Freund, der viel in Asien unterwegs war, ließ ich an dem Wein riechen. Er roch Grüne Mango und Papaya (Anmerkung: er kennt das Aromenrad nicht!) - während ich Wiesenheu, Wildkräuter, Schafgarbe roch. Ich befand mich auf einer Wiesenalm in den Österreichischen Hügeln - er fühlte sich auf einen Markt auf den Philippinen versetzt. Interessant. Die Nase und ihre Vorprägungen... Und dann gab es da noch was, was wir beide nicht in Worte fassen konnten, etwas mystisches, vielleicht eine unbewusste Duftwahrnehmung? Der Wein versetzte jeden von uns, unabhängig voneinander, in eine ruhige, meditative Stimmung. Eine ungewöhnliche beruhigende Energie ging von ihm aus. Ich habe den Wein am nächsten Morgen und Tage später nochmal probiert und da war sie immer wieder, diese Ruhe, der Einklang....
Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt
von Andreas Durst, ikonodule.com

Andreas Durst, der Weinfotograf "Wein spricht Deutsch" und seit ein paar Jahren auch Weinproduzent eigenwilliger rarer Weine, schickte mir dieses Bild von den beiden - es sagt mehr als Worte.

Das Weingut von Sepp und Maria Muster liegt in der Südsteiermark, Leutschach. Opok so heißen die Böden dort, es sind  Kalkmergelböden mit vermehrt tonigen Anteilen. Die steilen Hänge mit Neigungen bis zu 70% sind zum Teil in Kessellagen. Das Klima ist illyrisch mit heissen Tagen und kühlen Nächten. Maria Muster macht vor allem den Weinberg.

So, nun habe ich es doch noch geschafft, diese Weine in Worte zu fassen und lasse mich zum Ausklang des Abends und zum Beginn der Nacht noch von Radiohead mixed by David August inspirieren.



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