Sonntag, 29. November 2015

FARBE BEKENNEN! Enderle & Moll - Weinrallye #92

© wiesengenuss

Heute bin ich doch noch auf den Zug aufgesprungen, nachdem ich - viel zu spät - das Thema der November Weinrallye #92 gelesen habe: Farbe bekennen! Da fiel mir dann doch noch was ein...

Veranstalter dieses Mal ist Christin Jordan vom Blog “Hauptsache Wein“.

Mein Tunnelblick nach den letzten, beruflich bedingten Stresswochen weitet sich.... Auf meinem Küchentisch stehen zwei Weine, die mir vor ein paar Wochen Sven Enderle vom Weingut Enderle & Moll in Südbaden mitgebracht hat. Sie leuchten! Sie strahlen mich an mit ihrer Farbigkeit. Draußen ist alles grau und naßkalt, kein Ausflugswetter, eher ein Wetter für den Schaukelstuhl. Musik hören, kochen, Wein trinken. Soll ich sie aufmachen oder soll ich doch noch warten? Soll ich es mal ausprobieren, die Weine monatelang stehen zu lassen, um dann zu sehen, wie sie reifen? Ach, Sch.... drauf, ich mach sie auf!!! Die Neugier ist einfach zu groß. Geöffnet lass ich sie dann noch eine Weile kühl stehen, bin gespannt, wie sie sich dann entwickeln.... so war der Gedanke.

Fotografie © Rachel Wirth
Sven & Flo sind ja bekannt für die Vielschichtigkeit ihrer Weine, vor allem eben im Burgunderbereich, bei den Weißen wie vor allem auch beim Pinot Noir. Der Ausbau im burgundischen Stil. Sprich: "Kontrolliertes Nichtstun", was heißt, nachdem die Weine im Faß sind - in burgundischen Eichenfässern natürlich, gebrauchten Barriques - haben die beiden nichts mehr zu tun. Eigentlich.... Keine Kellertechnik, um die sich gekümmert werden muss, keine Kühlung, kein Abstechen, keine Filtration, keine Schönung - sie bleiben einfach auf der Vollhefe liegen, für viele Monate, im Faß. Und gären dort durch. Wann sie soweit sind, ihre gemütliche Kinderstube verlassen können, das liegt in der Hand und Kunst des Winzers - und in der Erfahrung der beiden: Florian Moll und Sven Enderle. 


Fotografie © Rachel Wirth









Zurück zu den beiden Farbstrahlern auf dem Küchentisch. Der "Müller" strahlt mich in sonniger Farbe strohgelb an, er moussiert noch leicht - der Burgunder Weiß & Grau ist dunkler, er strahlt in Orange mit einem Hauch graubraun. Helle durchsichtige Zwiebelschalenfarbe würde ich es nennen. Farben wie hier auf dem Bild von Rachel Wirth, entstanden an einem sonnigen Novembertag im Jahr 2013. Ich vergleiche auch gerne mit der Farbe reifer Weißburgunder Beeren. Durch die verlängerte Maischestandzeit hatten sie längeren Kontakt mit der Beerenhaut, daher die Farbe. Auf Schwefelung wurde weitgehend verzichtet. Das brauchen die Weine von E&M auch nicht, denn sie produzieren bei der Gärung genug eigenen Schwefel (man spricht von 1 bis 30 mg/l der "natürlicherweise" entsteht). Und die Tannine aus der Beerenhaut geben dem Wein nochmal zusätzliche Stabilität. Und dann gibt das Holzfass nochmal Tannine ab. Und die Lagerung auf der Vollhefe schützt ebenfalls vor Oxidation. Tannine = pflanzliche Gerbstoffe, und die sind ja bekanntlich ein natürliches Pflanzenschutzmittel, das die Rebe selber produziert und für Haltbarkeit und Schutz vor Mikroorganismen sorgt.

Foto: Ute Mangold
Fotografie © Rachel Wirth
Von "Kennern" wird ja immer behauptet, dass Wein ohne Schwefelzugabe, oxidieren würde, dann erzählen sie die Horrorgeschichten von Sauerkrautweinen, Mercaptanen, Essig und zitieren als Untermalung wissenschaftliche Studien. Nun ja als Biologin weiß ich, dass es zu jeder Studie auch eine Gegenstudie gibt - und vor mir steht sie, die leibhaftige Gegenstudie ;-) Sven interessieren die wissenschaftlichen Halbwahrheiten glücklicherweise nicht, auch mir mit meiner Tanninstabilitätstheorie hört er nur mit halben Ohr zu - er weiß ja wie seine Weine gemacht werden und wie gesund ihre Pflanzen sind! Und die liefern dann auch hervorragendes gesundes Beerengut. Vielleicht ein paar homöopathische Mittelchen zur Stärkung ab und an, konventionell gespritzt wird nicht. Der Boden bleibt weitgehend so wie er ist. Der Bewuchs oben drauf auch. Sie hatten das große Glück vor einigen Jahren einen Weinberg in Münchweier zu finden, der über Jahre, vielleicht Jahrzehnte in Ruhe gelassen wurde, sprich: er war verwildert. Darauf wuchs ein Spätburgunder. Der Klon? Unbekannt. Ein alter Weinberg, ne traditionelle Sorte, vielleicht aus Frankreich rüber gekommen? Der Rhein, die Grenze zum Elsass ist ja in Sichtweite. Frankreich  nur ein Katzensprung weit entfernt.

Foto: Ute Mangold
"Aufgrund der Entscheidung, unsere Rotweine im Laufe der Vinifizierung weder zu schönen, noch zu filtrieren, noch zu pumpen und sie auch während der gesamten 12-15 monatigen Lagerung in gebrauchten Barriques nicht abzuziehen oder umzulagern, wollen wir einen möglichst unmittelbaren Ausdruck der jeweiligen Rebflächen und Lagen incl. ihrer unterschiedlichen klimatischen Bedingungen erreichen..."

Da fällt mir ein, sie verwenden ja doch Filter ;-)
Doch nur für das Getier, das oben auf der Maische schwimmt...


Und nein, es sind keine "Orange Weine", sie lagen nur länger auf der Maische, sie sind aber nicht Maischevergoren. (Siehe auch mein Beitrag zum damaligen Symposium im Rheingau: Orange Wine - Maischevergorene Weißweine).





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MÜLLER 2014

Ich öffne die Flasche, leicht zu öffnen durch den Drehverschluss. Ein leichtes Plopp, er moussiert noch, ein paar kleine Hefereste am Flaschenboden. Er lässt sich leicht trinken, trotz seiner Vielschichtigkeit. Aromen von Quitte, Stachelbeere, ganz deutlich Bratbirne, aber ohne Butter (um mit Gampe zu sprechen), ein wenig Kräuter. Also, der Müller überlebt keine paar Tage im Kühlschrank, dazu ist er zu lecker. 

Das Etikett. Die mit dem Weingut befreundete Künstlerin Kim Howard hatte die richtige Intuition und genau die Farben auf das Etikett gebracht, die die Aromen des Müllers wiederspiegeln: Gelb steht für das reife Quittenaroma, Hellgrün für Stachelbeere und das Olivgrün für eine gewisse Kräutrigkeit: Stevia, Süßkraut, passt. Der Müller ist nicht ganz durchgegoren und hat noch etwas Restsüsse. Was ihm gut steht, denn durch die Reste von Gärkohlensäure besitzt er eine lustige Spritzigkeit.


WEIß & GRAU 2014 

Ich habs natürlich verpasst, Sven genauer über die Weine auszufragen, die er mir mitgebracht hat. Wir hatten auch anderes zu besprechen, private Dinge, wollten essen gehen und uns so mal austauschen einfach. Heute weilt er auf der #RAW Messe in Berlin und hat was besseres zu tun, als mir jetzt noch kurzfristig ein paar Fragen zu beantworten. Also klaub ich mir jetzt die Infos, die ich noch brauche, stückweise zusammen und trinke...
"Auch dieser Grauburgunder wurde von uns -genauso wie unsere Pinots und der Rose- mit Hilfe unserer Spindelpresse verarbeitet und anschließend in gebrauchte Barrique-Fässer gelegt. Dies und der geringe Ertrag prägen diesen Wein und geben ihm seinen eher milden, cremigen und mineralischen Charakter! In der Nase herrschen eher Aromen vor, die an Feuerstein und Zitrusfrüchte erinnern, die dann am Gaumen durch Quitten, Renekloden und nussige Aromen ergänzt werden..."
Und wie schmeckt er, mein Eindruck...? Erster Gedanke: "Mist! Es war doch Jungfrauenmord" :-( Natürlich viel zu früh aufgemacht. Auch er moussiert noch, die Hefe hat sich noch nicht ganz abgesetzt. Ich habe den Burgunder bei der Arbeit gestört!! Er ist empört und zeigt sich erstmal von der unfreundlichen Seite. Ich lasse ihn wirken.....im Mund entwickeln sich erste Aromen, keine fröhliche Primärfruchtigkeit, eher verhalten, streng, fordernd, ein wenig bitter. Quitte, Renekloden, das Weiße in den Zitrussschalen.... eine feine Länge entwickelt sich...Okay, ich lasse ihn ruhen und probiere morgen weiter.


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Die beiden Winzer bekennen Farbe, ja! #weingegenrassismus

© Weingut Enderle-Moll


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Die Weinrallye ist ein derzeit monatlich stattfindendes Blogevent. Jeweils ein anderes Blog bestimmt ein Thema und ruft die Blogosphäre dazu auf, zu diesem Thema einen Artikel zu verfassen. Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation schöne Themen aufzuarbeiten.

Dienstag, 7. April 2015

GEORG & MARTIN FUSSER - LAGENWEINE und zwei Newcomer aus der Pfalz



TERROIR - das Wort laut ausgesprochen und schon geht ein Gespenst um in der Weinszene...
Benutzt man diesen Begriff, kann man davon ausgehen, dass er sofort heftige Diskussionen bei den Mitgliedern aller Weinforen auslöst. Was versteht man darunter? Kann man Steine schmecken? Wie kommen die Mineralien in die Beere? Nach einer solchen Diskussion habe ich mich vor einiger Zeit mal intensiver mit dem Thema auseinander gesetzt und meine Sichtweise versucht darzustellen: Mineralität, Salzigkeit oder alles nur Chemie..?. Versucht, darzustellen. Doch es gibt immer wieder neue wissenschaftliche Erkenntnisse dazu. Aber, bisher immer noch keine, die erklären, wieso Weine aus bestimmten Lagen eine gewisse Typizität haben.

Jenseits aller wissenschaftlicher Erkenntnisse ist für mich ist der Begriff - ich wage ihn schon fast gar nicht mehr zu erwähnen - immer eng mit der Seele des Winzers verbunden. Ja, mit dem Winzer! Der wird bei der ganzen Lagendiskussion oft vergessen, dabei ist er es, der letztendlich das Kunstwerk aus dem Rohstoff, den die Lage und die Rebe vorgibt, schafft. Den von Hugh Johnson geprägten Satz habe ich persönlich verinnerlicht und kann nix mehr dagegen machen. ;-)
"Der Begriff " Terroir " umfasst die gesamte Ökologie einer Weinbergslage, alle ihre Aspekte vom Felsuntergrund bis hin zu Spätfrösten und Herbstnebel, ja auch die Weinbergspflege und schließlich auch die Seele des Winzers."


LAGENTYPIZITÄT

Soll heißen, der Weinbergboden ist so eine Art Festplatte, dort sind Daten wie der Gesteinsuntergrund und die Mineralienzusammensetzung in Kombination mit dem Abbau durch Bodenlebewesen gespeichert. Doch auch die Weinberglage, ihre Topografie, die Hangneigung und Standortfaktoren wie Niederschlagsmenge, Temperaturunterschiede spielen eine wichtige Rolle für die Ausprägung und Zusammensetzung des Saftes, der in den Beeren bestimmter Reben heranwächst und schließlich im Keller zu Wein vergoren wird. Oder basiert das Geheimnis des Terroirs doch nur auf Bakterien?

Jenseits aller Diskussionen wie groß der Einfluss des Terroirs, der Lage auf den Wein ist und welchen Anteil die Kunst des Winzers an seiner charakteristischen Ausprägung hat, sind bestimmte Lagentypizitäten einfach schmeckbar. Neulich auf der Weinmesse Pfälzer LagenArt auf dem Hambacher Schloß im März 2015 zog sich beispielsweise ein gewisser kreidiger, würziger, karger leicht bitterer Grundton durch alle Weine, die vom Landschneckenkalk der KLEINEN KALMIT (bei Ilbesheim, Südliche Weinstraße) stammten. Sei es bei Ackermann, bei Pfirmann, Kranz oder bei Sven Leiner. Alle hatten diesen Biss und den Grundton. Die Endprodukte auf der Flasche, die Rieslinge, Weiß- oder Grauburgunder, waren jedoch jenseits des gemeinsamen Grundtons so unterschiedlich wie die Rebsorten und die Winzercharaktere, die diesen Wein ausbauten. Jeder mit einem ganz eigenen Stil. Es ist die von Hugh Johnson beschriebene "Seele des Winzers", die dem Wein die ganz charakteristische Ausprägung gibt.


VIEL GERÜHMTE WEINBERGSLAGEN

Nun von der Kleinen Kalmit in der Südpfalz zur MITTELHAART, dem bekanntesten Kernstück der Pfalz. Sie beginnt nördlich von Neustadt an der Weinstraße. Bekannt ist dieses Gebiet vor allem durch die Weinbauorte Deidesheim, Bad-Dürkheim, Wachenheim und Forst. Und durch Helmut Kohl.
Seit Bismarcks Zeiten spricht man geradezu ehrfürchtig von den "drei Großen B´s", also den Weingütern Bürklin-Wolf, Reichsrat von Buhl und Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan, die sowohl qualitativ als auch von der Fläche her zu den ganz Großen der Pfalz gehören. Und neuerdings auch wieder vom ebenfalls traditionsreichen Weingut von Winning, das früher Dr. Deinhard hieß und zusammen mit von Buhl und Bassermann-Jordan in Deidesheim ansässig ist. Unter der Leitung des Geschäftsführers Stephan Attmann bringt von Winning große Rieslinge mit ganz eigener Stilistik hervor. Zu Recht "gehyped", wobei der Einsatz von neuem Holz beim Riesling nicht jedermanns Sache ist.

Gerühmt und berühmt sind auch die Weinbergslagen an der Mittelhaart mit großen Namen wie das Forster Ungeheuer, einer Einzellage, die schon der Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck Ende der 1880er Jahre mit dem Satz „Dieses Ungeheuer schmeckt mir ungeheuer.“ gewürdigt hat.
Auch das Forster Kirchenstück und der Forster Pechstein (mit seltenen Basaltgesteinen vom Pechsteinkopf, einem uralten Vulkan). Vom Weinjournalisten Stuart Pigott mal als die "Grand Cru Lagen der Pfalz" bezeichnet.

Bekannt sind auch der Ungsteiner Herrenberg und der Weilberg, hier findet man die eher im Mittelmeerraum beheimateten und in der Pfalz ganz seltenen Terra Rossa Böden

Kalk ist ebenfalls eher selten in der von Buntsandsteinböden geprägten Pfalz. Kalkböden findet man beispielsweise im Kallstadter Saumagen, einer Einzellage, in der die Reben auf einem Untergrund aus Lösslehm und Kalkmergel stehen. Die seltenen Kalkböden findet man auch noch ganz im Süden - eben auf der oben erwähnten Kleinen Kalmit - oder ganz im Norden in Bockenheim und Kindenheim und Asselheim und im Zellertal. Und dann noch im Reiterpfad, an der Mittelhaart...



GEORG und MARTIN FUSSER, Niederkirchen bei Deidesheim

Und ganz am Rande - oder doch inmitten - dieser berühmten und bekannten Namen und Weinbergslagen an der Mittelhaart gibt es nun zwei Brüder aus Niederkirchen bei Deidesheim, die still und heimlich (noch..) große Weine mit einer Eleganz und feinen Länge produzieren. Wenige. Ein sehr junger Betrieb. Die beiden um die 30 Jahre alten Brüder Georg und Martin Fußer haben sich während unseres Studiums in Geisenheim dazu entschlossen, einige Weinberge aus dem großen elterlichen Betrieb auszugliedern und selbst zu kultivieren. Mit ihrer ganz eigenen Philosophie und Idee. Ihre erste Kollektion entstand mit dem Jahrgang 2007.
Riesling rules! Auf der LAGENART sind sie uns aufgefallen inmitten all dieser großen B's, den Geheimräten und den von und zu's. Nun ja, sie verfügen auch über ebenfalls nicht so ganz unberühmte Weinlagen wie die Mäushöhle, den Paradiesgarten und den Ruppertsberger Reiterpfad. Daraus machen sie ihre Lagenweine No. 1, zwei Rieslinge und ein Spätburgunder. Die Ortsweine heißen Deidesheimer Riesling und Ruppertsberger Riesling.

No. 1 REITERPFAD 2013, Riesling trocken, 13% Alk.

Eine Weinlage, aus der auch das Weingut Reichsrat von Buhl große Rieslinge zaubert. Eine Große Gewächs Lage. Es handelt sich um eine Terrassenlage - ca. 130 m über NN. Der Untergrund besteht aus Buntsandstein mit Kalkeinlagerungen. Der Reiterpfad liegt entlang eines Weges, auf dem einst die Römer mit ihren Pferden zogen. Er ist ringsum durch eine Mauer geschützt, wodurch ein einzigartiges Mikroklima von fast mediterraner Mildheit entsteht.
Das Ergebnis ist ein feinbalancierter Wein mit einer schönen länge. Kraftvolle Präsenz. Ein super Wein! (ab Hof 14,50 Euro)

PARADIESGARTEN 2013, Riesling trocken, 13% Alk.

In Kern ebenfalls eine Große Gewächslage mit Süd-Ost-Hanglage. Sie geht von 120 bis 170 m über NN. Rote und gelbe Buntsandsteinverwitterungsböden. als Garten Eden in Deidesheim beschrieben. Nachmittags fließt vom Waldrand ein warmer Luftstrom durch den Weinberg, der so dafür sorgt, dass die Reben immer gut durchlüftet sind und Feuchtigkeit abfließt.
Ein fruchtiger feiner Wein, zitronige Anklänge, harmonisch und inspirierend. Die ganze Flasche trinkt sich locker an einem warmen Frühlingsnachmittag auf dem Balkon weg. (ab Hof 12,00 Euro)





WEINLAGEN-INFO

Wer sich für die Lage der Weinlagen interessiert, kann sie auf der Webseite Weinlagen-Info direkt anklicken.

"Weinlagen-Info ist für Leute, denen es nicht egal ist, wo der Wein wächst den sie trinken. Weinlagen-Info wurde von einer Gruppe privater Weinliehaber erstellt, um geographische Informationen zu Weineinzellagen frei verfügbar zu machen. Die Informationen wurden von verschiedenen Autoren erstellt. Die Seite kann kostenlos und ohne Anmeldung genutzt werden."

Paradiesgarten in Deidesheim



Ruppertsberger Reiterpfad (auf Riesling.de mit Beschreibung und Karte)





BUCHEMPFEHLUNG

Wer mehr über die GRUND-LAGEN des Pfälzer Weins erfahren möchte, dem sei dieses Buch empfohlen.

TERRA PALATINA - Von den Grund-Lagen des Pfälzer Weins



Sonntag, 4. Januar 2015

Sven Leiner - 'FUSION' oder Weine, die einfach Spaß machen


`Fusion' Rosé und Weißwein. Foto: © Ute Mangold, wiesengenuss

Heute hab ich mal wieder Zeit über Wein zu schreiben. Wein-achten ist vorbei. Das Essen dazu ist gekocht, gegessen, aufgeschrieben und gebloggt. Neujahr! Es beginnt ein Neues Jahr. 2015. Alles wird heller. Zumindest innerlich. Keine Lust mehr auf schwere Weine und schwere Gedanken. 
Doch draußen, Eisregen! Scheißwetter. Egal, ich geh nicht aus dem Haus und es ist niemand im Haus. Ruhe. Es ist echt Zeit für was prickelndes!! 

Über Wein-achten gab es bei mir - für uns - viele Weine, ja auch welche mit "Etiketten", aber keine Sammlerobjekte. Wir sind hier in der Südpfalz an der Quelle und viele gute und beste Weingüter befinden sich nur ein zwei Stunden entfernt. Die zweistöckigen Weinkeller befinden sich in diesen Weingütern. Wobei ich mich frage, ob es überhaupt eine Frau gibt, die einen zweistöckigen Weinkeller hat? Eine Privat-Frau, eine Privatière sozusagen? Eine Weinsammlerin? Ich gebe zu, ich sammle auch Weine, über Jahre - ja, Jahrzehnte nun. Aber, in meinem Kopf, in meinen Notizbüchern. Immer mit Assoziationen verbunden, Geschichten. Erlebnisse. Landschaften. Die Weinmacher, die Menschen dazu. Etiketten interessieren mich nicht. 

Sven Leiner, Weintage Südliche Weinstraße,
Landau 2014 Foto: © Ute Mangold, wiesengenuss

Okay, ich gebe zu, sie interessieren mich doch! Aber, anders. Ich kenne die Person hinter dem Etikett, also den Weinmacher oder die Weinmacherin. Und jetzt hat mich DIESES Etikett besonders angesprochen. FUSION, komplett in Neon-Orange. Ähnlich wie die Handwerk-Linie. Allein die Farbe hat mich an diesen trüben Tagen schon "angeprickelt"! Und von ihm kann ja nichts schlechtes kommen: den Weinmacher Sven Leiner kenne ich quasi von Anbeginn an, als er das elterliche Weingut in jungen Jahren übernommen hat.

Pop-Art, modisch, banal, würden jetzt die ewig grauen Meckerer zum Etikett sagen, die mehr so auf dicke Flaschen mit verschnörkelten Etiketten stehen, möglichst mit einem Chateau oder einem Wappen auf dem darauf aufgeklebten Papier. Und auf hochpreisiges. Je teurer, je besser. Aber, was soll ich sagen, ausgerechnet diese scheinbar "banalen" Weine zu diesen auch noch, äh, extrem günstigen Preis (um die 7 Euro) sind jetzt die, die uns am besten gefielen. An Wein-achten. Dynamischer, prickelnder Stoff, der Spaß macht. Einfach nur Spaß und gute Laune - und das, ja, mit Tiefgang. Aus 2013.

Sven Leiner @ Vinissima
Treffen, 2007 Foto: © wiesengenuss
Sven Leiner hat konsequent auf Biodynamie umgestellt, seit 10 Jahren nun schon. Demeter qualifiziert mittlerweile. Ohne erhobenen Zeigefinger. Vor einigen Jahren haben wir ihn mal besucht, da hat er uns sein Handwerk gezeigt. Ein Holzfass und den Besen, mit dem er seine Weine dynamisiert. Aus neun Pfälzer Baumarten. Und seine Weinberge, deren Boden noch lebendig ist. Voller Blüten. Ich weiß auch nicht, was es auf sich hat mit dieser Biodynamisierung, aber es funktioniert. An Sven Leiner's Weinen immer und immer wieder zu spüren. Seine Weine haben tatsächlich eine Dynamik. Jeder. Sie sind lebendig. Sie haben Tiefgang. Sie sind gut. Sie sind außergewöhnlich. Sie machen Spaß.


FUSION 2013

Der Weiße = Riesling, Scheurebe/Kerner, Weißburgunder
Der Rosé = Pinot Noir, Tempranillo und Cabernet Sauvignon.





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KALMITFEST 2014 

Sebastian Bordthäuser @ Kalmitfest 2014 am Stand von Sven Leiner
Foto: © Ute Mangold, wiesengenuss

Blick von der Kleinen Kalmit, Südliche Weinstraße in Richtung Kastanienbusch,
Foto: © Ute Mangold, wiesengenuss


Heiner Maleton, Sebastian Bordthäuser, Kaya Ute Mangold
@ Kalmitfest 2014, Foto: Dorit Schmitt, Chateau et Chocolat



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BIODYNAMIE

DER MOND DAS KUHHORN UND DER BALDRIAN






Freitag, 25. Juli 2014

Weinrallye #76 - Ein PINOTAGE aus der Südpfalz


Herbst in den Weinbergen, Südliche Weinstraße, Pfalz. Foto: © wiesengenuss


Den Önologen und 'Pinot Noir Zauberer' Stefan Dorst kenne ich nun schon seit fast zehn Jahren. Und seit dieser Zeit ist er immer wieder an neuen, spannenden Weinprojekten beteiligt. Als 'Winemaker' bei Friedrich Becker in der Pfalz, in Südafrika bei Laibach und auf der Venta d'Aubert in Spanien. Und nun sorgt er mit seinem Projekt Dorst & Consorten mit einem Pinotage aus der Südpfalz für Aufsehen.
Kennengelernt habe ich ihn über meinen ehemaligen Nachbarn in Venningen, Fritz Croissant. Ein alter Ökopionier. Zusammen mit Heiner Sauer und Clemens Busch gehörte Fritz Croissant mit zu den Winzern, die in den 80ern beschlossen, auf ökologischen Weinbau umzustellen und in der Folge schwer zu kämpfen hatten, gegen das wildwuchernde Unkraut - und gegen den Widerstand der umliegenden Kollegen. Alte Haudegen, die damals auf Tapeziertischen in Mannheim die Biofach-Messe mitbegründeten. Heute ist die Biofach eine kommerzielle Angelegenheit geworden...doch das ist eine andere Geschichte.


Dorst & Consorten

Stefan Dorst und Fritz Friedrich Becker, Weintage 2012, Landau
Foto: © Ute Mangold, wiesengenuss
Der gelernte Weinsberger Stefan Dorst hat mitgewirkt an der Entstehung der legendären Pinot Noirs des Weingut Friedrich Becker in Schweigen, an der französischen Grenze. Einige Weinberge wie der "Schweigener Sonnenberg" mit Südausrichtung liegen sogar in Frankreich, das hat geschichtliche Hintergründe. Vom Stil her gehen sie in die französische, ja, burgundische Richtung. Eine Neuheit in der Pfalz, in der der Spätburgunder bisher eher einen rustikalen Touch hatte.
Bevor er wieder hier in der Südpfalz, genauer in Landau, sesshaft wurde und zusammen mit seiner spanischen Frau eine kleine Familie gründete, war Stefan Dorst lange Zeit ein sogenannter 'Flying Winemaker'. Soll heißen, er jettete von der Pfalz nach Südafrika über Argentinien, Chile, Australien und der Schweiz zurück nach Spanien...oder in anderer Reihenfolge. Im Herbst zur Weinlese in der Alten Welt und im Frühjahr in der Neuen Welt.
In Südafrika verhalf er als langjähriger Berater der Domaine Laibach seit 1997 zu ihrem Bekanntheitsgrad als eines der ersten ökologisch wirtschaftenden Weingüter am Kap, genauer in Stellenbosch. An den Hängen des Simonsbergs reifen die bekannten Cuvées mit dem Namen "Ladybird", was übersetzt Marienkäfer heißt. Dank der ökologischen Bewirtschaftung befinden sich eine Menge Marienkäfer in den Weinbergen, die dafür sorgen, dass die Läuse nicht überhand nehmen. Und nach denen wurde der Wein benannt.
Und zurück in der Südpfalz hob er zusammen mit Fritz Croissant, das Dorst & Consorten Projekt aus der Taufe. Beide sind sogenannte Negociants, ein netteres Wort für "Abfüller". Was bedeutet, sie haben keine eigenen Weinberge, bringen aber Erfahrung als Önologen (Stefan) und Winzer (Fritz) in gemeinsame Projekte mit Winzern ein. In Cooperation mit anderen Winzern, den 'Collaborateuren', entwickeln sie besondere Weine für das Projekt. Mit dabei bei den Consorten ist beispielsweise auch Heiner Maleton, der mit Weinen mit den Namen 'Weg und Wiese', 'Sackträger', 'GTX' oder 'Goldberg Variationen' in Oppenheim mittlerweile ganz eigene Wellen schlägt (Weingut Bürgermeister Carl Koch). Bei Dorst & Consorten ist er mit der legendären Sackträger 2010 Auslese aus dem Stückfass dabei und dem 2011er Confidential Riesling.


Foto: © wiesengenuss
Pinotage 2011
Ich fragte Stefan Dorst, ob das PINOTAGE Projekt etwas mit seiner Arbeit in Südafrika zu tun hatte? Ja, klar, meinte er. Als er hörte, dass es in der Pfalz einen Winzer gibt, der - quasi erst mal heimlich - Pinotage anbaute, nahm er sofort Kontakt auf. Der Winzer heißt Stefan Bietighöfer. Sein Weingut befindet sich im Herzen der Südpfalz, in Billigheim-Ingenheim, Ortsteil Mühlhofen. Weingut Bietighöfer. Der erste Pinotage Jahrgang war 2010. Verkosten durfte ich noch den 2011er. Die letzte Flasche!
In der Falstaff war der Pinotage schon in seinem ersten Jahrgang 2010 "Wein der Woche" und im Weinforum schreibt Martin Zwick, Berlin Kitchen über den 2011er "Beeindruckend saftig&samtige Frucht von Brombeeren, schwarze Johannisbeeren, Pflaume, Gewürze und schwarze Schokolade. Zeigt die Balance&Strukur eines großen Weines und man merkt, daß Herr Dorst schon seit vielen Jahren mit der Traube Pinotage vertraut ist. Saustark!!!!"
Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, nur noch meine eigenen Notizen, ich notierte "jössas, was eine Würze!" und "die Aromen kommen zur Nase heraus wie Pulverdampf!". ;-) Okay, etwas sachlicher: "Brombeerblätter, schwarze Johannisbeere, dicht, ungewöhnliche Aromatik und doch weich mit einen Gefühl feiner Süße"
Neben dem Pinotage - der neue Jahrgang 2012 kam im April in den Handel - gibt es ein neues Projekt von Dorst & Bietighöfer, Le Dernier Cri - ein Pinot Noir!! Der letzte Schrei - schon jetzt ein Geheimtipp mit nur wenigen Flaschen. Man darf gespannt sein, was noch von Stefan Bietighöfer aus der Südpfalz kommt!






Weinrallye - ein Blogevent



Dieser Beitrag entstand im Rahmen der monatlich stattfindenden Weinrallye - Ein Blogevent, im Juli 2014 zum Thema 'Pinotage der Ungeliebte'.
Ausrichter der Weinrallye ist diesmal Peter Züllig.
Auf seinem Blog werden die gesammelten Beiträge im Anschluss an die Weinrallye veröffentlicht.





Zum Weiterlesen


Bernhard Degen im Falstaff - Wein der Woche, Mai 2012

Manfred Klimek auf Captain Cork - Neue Weine braucht das Land, Januar 2014

Martin Zwick, Berlin Kitchen, im Weinforum, Dezember 2013